Hansi Lehner-Rosner

Hansi Lehner-Rosner, Inserat, 1934

„Reizvoll und anmutig, gepaart mit feinem stilistischen Gefühl für Ornamentik, so sind die Arbeiten dieser Künstlerin, deren zarte Frauenhand ihren Bildern eine Atmosphäre gibt, die jedem kultivierten Menschen gefallen muß. Sie hat heute bereits ihre unverkennbar eigene Note.“ So charakterisierte der Herausgeber der Fachzeitschrift „Österreichische Reklamepraxis“, Karl Fidelius Groß, im Jahr 1934 die Qualitäten der Designerin Hansi Lehner-Rosner.[1]

Die Künstlerin wurde als Johanna Rosner am 24. August 1903 in Wien geboren.[2] Rosner, die sich mit Vornamen bald Hansi nannte, war Schülerin von Julius Klinger und später auch als dessen Assistentin tätig. 1924, also bereits im Alter von zwanzig Jahren, wurden zwei von ihr entworfene Plakate, die beide für Ballveranstaltungen warben, realisiert. Auch bei der großen Leistungsschau des „Bundes österreichischer Gebrauchsgraphiker“ im Jahr 1929 war Rosner mit ihren Arbeiten vertreten. Unter dem Titel „Das österreichische Plakat“ stellten da 28 Mitglieder des Berufsverbandes im „Museum für angewandte Kunst“ aus, nur zwei davon waren Frauen, eben Hansi Rosner und ihre Kollegin Mela Köhler-Broman.

Im selben Jahr wurde Rosner auch Mitglied des „Schieds- und Ehrengerichts“ des „Bundes österreichischer Gebrauchsgraphiker“ und war damit die erste Frau, die eine offizielle Funktion in dieser Interessensvertretung wahrnahm. [3]

Beide Plakate: Hansi Lehner-Rosner, 1924 (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Grafiksammlung)

1931 heiratete Hansi Rosner den Werbeexperten Ernst Lehner, nannte sich ab nun meist Lehner-Rosner und signierte oft mit dem Kürzel „Lero“. Auch wenn ihre Karriere mit Plakaten begonnen hatte, so gehörten diese in der Folge nur am Rande zu ihren Aufgaben. Lehner-Rosners Spezialität waren vor allem kleinere Formen der Gebrauchsgrafik, wie Inserate, Einladungen, Glückwunschkarten, Verpackungen, Zeitschriftencover und Illustrationen, wobei ihre besondere Begabung für elegante, präzise Zeichnungen klar zutage trat. Über Modeillustrationen für Magazine, wie zum Beispiel für die „Moderne Welt“, kam Hansi Lehner-Rosner auch zu Modeentwürfen. So etwa entwarf sie für die von der Kaufhauskette GÖC veranstaltete Reklame-Revue im Jahr 1934 die Kostüme der Tänzerinnen, die verschiedene Produkte aus dem Warenangebot darstellen sollten. Ein Highlight in ihrem damaligen Arbeitsspektrum war eine ganze Reihe von Werbedrucksachen für das Wiener Hotel Imperial. Der Grafiker Kurt Libesny schrieb in diesem Zusammenhang von „der feinen Hand der einfallsreichen Wiener Künstlerin Hansi Lehner-Rosner“.[4]

Hansi Lehner-Rosner, links: Vignette 1931, rechts: Eigeninserat, 1935

Um dem aufgrund ihrer jüdischen Herkunft drohenden rassistischen Terror zu entkommen, emigrierte das Ehepaar Lehner nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland im Jahr 1938 zunächst nach London und später nach New York. In den USA trat Lehner-Rosner – nun wieder mit dem Vornamen Johanna – gemeinsam mit ihrem Ehemann als Herausgeberin von einigen Publikationen hervor. Es waren dies meist Bildsammlungen, wie „Folklore and symbolism of flowers, plants and trees“ (1960), „How they saw the new world“ (1966) oder „A fantastic bestiary; beasts and monsters in myth and folklore“ (1969). Diese Publikationen waren so erfolgreich, dass bis in die 2000er-Jahre Neuauflagen von ihnen herauskamen.

Am 13. August 1993 verstarb Lehner-Rosner im nördlich von Boston gelegenen Woburn im Bundesstaat Massachusetts. 

[1] Groß, K[arl] F[idelius]: Hansi Lehner-Rosner (Lero), in: Österreichische Reklamepraxis 1934/1, S. 29ff.
[2] Herrn Christian Maryška wird für die Recherche des Geburtsdatums herzlich gedankt, siehe auch Maryška, Christian: „Hoffentlich gefällt’s Ihnen bei uns in Wien“. Jüdische Gebrauchsgrafikerinnen bis 1938, in: Winklbauer, Andrea – Sabine Fellner: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938, Wien 2016 137ff.
[3] Maryška, Christian: Kunst der Reklame. Der Bund Österreichischer Gebrauchsgraphiker von den Anfängen bis zur Wiederbegründung 1926–1946, Wien 2005, S. 20.
[4] Libesny, Kurt: Hotel- und Gaststätten-Propaganda, in: Österreichische Reklame-Praxis 1934/1, S. 18.