SPRING #18 – FREIHEIT

Ausschnitt aus dem Frontispiz, gestaltet von Romy Blümel

Der Herbst zieht ins Land, daher ist es wieder Zeit, das neue SPRING-Magazin vorzustellen. 2004 wurde es gegründet, seit 2014 hat es hier an dieser Stelle seinen festen Platz. Denn, wie Andreas Platthaus in der FAZ feststellte: „SPRING ist immer noch das Maß der Dinge, wenn es um deutsche Comicanthologien geht.“ Der Titel ist ja zweideutig und muss nicht nur den englischen Frühling bedeuten, sondern kann auch die Aufforderung sein, zu springen. Und diese Aufforderung passt sehr gut zum Thema, das sich die Künstlerinnen diesmal für ihr Heft gewählt haben, nämlich FREIHEIT.

Zeitschriftencover von Romy Blümel

Schon die fliegende weiße Frau am himmelblauen Cover vermittelt unbändiges Freiheitsgefühl, blättert man aber ins Heft hinein, überfällt einen gleich das völlige Gegenteil, eine in einen viereckigen Schacht eingezwängte Frau. In dem Hin und Her zwischen schrankenloser Freiheit und der Beschränkung durch männliche Dominanz geht es im Vorwort von Jule Hoffmann. Sie schreibt da, wie sie einfach ungehindert und frei allein auf die Straße gehen, ziellos herumspazieren könne, unbehelligt von Zwängen und Nöten, Blicken und Sprüchen, Einschüchterungen und Zurufen – und auch der eigenen Angst – wie das vor nicht allzu langer Zeit noch nicht möglich gewesen sei. Die Freiheit und der Zwang werden nun in den kommenden Seiten zu spannungsgeladenen Gegensätzen. So folgt auf das freiheitsbetonte Vorwort die Bildgeschichte „The Wall“. In kräftigen Farben, rot und blau, weiß und schwarz lässt einen Doris Freigofas die vergeblichen Versuche einer jungen Frau miterleben, eine rote, übermächtige Mauer zu überwinden. Der schwarze Vogel, der im letzten Bild hoch über der roten Mauer durch den blauen Himmel fliegt, hat vielleicht etwas mit den freien Gedanken zu tun. Dass Freiheit „wieder nur ein Gefühl“ ist, stellt marialuisa in fein gezeichneten Szenen fest. „In Limbo“, also in der Schwebe sein, ist der Titel makis heiterer Bildfolge, in der sich Fische, Vögel und Säugetiere tummeln. „Eh nichts passiert“ ist Stephanie Wunderlichs Weiterführung des Freiheits-Gedankens aus dem Vorwort, in dem sie am Ende ihre geliebten Töchter zu den Sternen fliegen sieht. Und so arbeiten sich die Zeichnerinnen – jede auf ihre Art – am Freiheitsbegriff ab, reiben sich daran, ersehnen ihn, verzweifeln an ihm. Mal mit kargen, kräftigen Strichen, dann wieder in Wimmelbildern, in der althergebrachten Comic-Form auf vielen Seiten oder lakonisch mit einer einzigen Zeichnung. Hier ist der Ort, wo ich auch meiner Begeisterung für Larissa Bertonasco Platz geben kann. Sie ist eine der vielfältigsten Künstlerinnen der Gruppe. Ihrem Beitrag gibt sie den Titel „Dance“ und widmet ihm einem Tänzer aus Damaskus und einem DJ aus Ramallah. Sie zeigt in ihren Bildern, wie Tanzen immer schon ein Weg war, sich auszudrücken und es letztlich die Möglichkeit gebe, KämpferIn für die Freiheit zu werden. Diese starken Sprüche unterstützt sie mit entsprechend wirksamen Bildern. Im letzten Beitrag, mit dem Titel „Into the wild“ entwickelt Carolin Löbbert ihre Geschichte aus streng geometrischen Formen heraus, hin zu wuchernder Natur. Wie in den Vorgänger-Heften bilden Anzeigen, die genau so sorgsam gestaltet sind, wie davor die Comics, den Schluss, bevor dann die einzelnen Zeichnerinnen mit Lebenslauf und kleinen Vignetten vorgestellt werden.

SPRING #18 – FREIHEIT. Illustrationen, Comics und Texte von 11 Zeichnerinnen. Deutsch mit englischen Untertiteln. SPRING im Vertrieb des mairisch Verlags, Hamburg 2021.

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