Heinz Traimer: „…froh mit Sparefroh!“

Heinz Traimer, Ausschnitt aus dem Sparkassen-Plakat „Ein guter Start für 1956“ (alle Abbildungen in diesem Beitrag: Sammlung Traimer, Fotos: Peter Hoiß)

Es gab eine Zeit, da bedeutete das Wort „sparen“ nicht „weniger Schulden machen“, sondern „Geld auf die Seite legen“, nichts auszugeben, um etwas „anzusparen“. Die „Ordentlichen“ trugen ihr Geld in die Sparkassen und erhielten dort für ihre Genügsamkeit und Disziplin ein lukratives Zinsenangebot. Das war einmal. Heute konsumieren die „Guten“ was das Zeug hält und – noch besser für die Banken – nehmen Kredite auf, weil auch die Banken ihr Geld los werden müssen, sonst drohen Strafzinsen. Die drohen auch den Sparenden. Wer das alles versteht, wird „financial analyst“, verdient viel Geld, das er oder sie hoffentlich wieder ausgibt oder in Projekte investiert – aber ja nicht spart.

Heinz Traimer, Plakate, links: um 1965, rechts:1964

Diese Informationen sind notwendig, um das Werk des Werbegrafikers Heinz Traimer zu verstehen, der einen Großteil seiner bemerkenswerten Kreativität in den Spar-Willen der Bevölkerung investierte.

Traimer wurde vor 100 Jahren, am 30. September 1921, in Schondorf in Bayern geboren. Nach dem MIlitärdienst im Zweiten Weltkrieg besuchte er in München die „Graphische Akademie“ (heute „Berufliches Schulzentrum Alois Senefelder“) und arbeitete unter anderem bei der Münchner Agentur „Südgraphik“. Diese war auch für den Deutschen Sparkassenverlag tätig, aus dessen kreativem Umfeld die Werbefigur des Sparefrohs stammt. Ab 1956 lebte Traimer in Wien, wo er zunächst im renommierten „Atelier Koszler“ beschäftigt war. Im Wirtschafts-Boom der Nachkriegszeit machte er sich bald als Werbegrafiker erfolgreich selbständig und gründete auch eine eigene Siebdruckerei, die „Kahlenberg Graphik“.

Heinz Traimer, Plakate, um 1959

Zwischen Mitte der 1950er und Anfang der 1980er Jahre waren die „Zentralsparkasse der Gemeinde Wien“ (heute „Bank Austria“) und der Sparkassenverband die wichtigsten Kunden von Heinz Traimer, die er als Grafiker und Werbetexter betreute. Neben vielen Drucksachen waren es nicht weniger als 300 Plakate, die er für diesen Bereich gestaltete. Traimer war ein ausgezeichneter Illustrator und als Grafiker auch handwerklich in allen Bereichen überaus kompetent. Seine Arbeiten zeichnete durchgehend ein liebevoller und menschenfreundlicher Humor aus, und so war er auch ein emsiger Propagator der sympathischen Figur des „Sparefrohs“.

Heinz Traimer, Plakate, 1962

Am 8. Februar 2002 verstarb Heinz Traimer. Sein rund 2.500 Blätter umfassender Nachlass blieb vorbildlich in seiner Familie erhalten. Matthias Bechtle, der seine Diplomarbeit in Kunstgeschichte über den Grafiker verfasst hat, betreut den Bestand in professioneller Weise, eine umfangreiche Website gibt Einblicke in das Schaffen von Heinz Traimer. In seiner Diplomarbeit vermerkt Bechtle zu den Leistungen des Designers: „Als Gebrauchsgrafiker, im Sinne eines schnellen Handwerkers, war Traimer sehr produktiv, originell und wirtschaftlich äußerst erfolgreich. Seine Bankplakate und restlichen Entwürfe darf man als eine wichtige Bildquelle für die österreichische Wiederaufbauzeit ansehen“ (Seite 180).

Bechtle, Matthias: Heinz Traimer, Diplomarbeit, Wien 2012.
Traimer Poster Collection

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Heinz Traimer fand von 30. September bis 5. Oktober 2021 in der Wiener GALERIE FRANK in der Himmelpfortgasse 12 eine Ausstellung seiner Arbeiten aus dem Zeitraum von 1952 bis 1980 statt.
Weitere Informationen: https://www.traimer.at/

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