Lagerfeld & Grohnert: Reklame

„Reklame. Frühe Werbung auf Plakaten“ heißt die bereits vor zweieinhalb Jahren vom Steidl Verlag angekündigte Edition über die Plakatsammlung des prominenten Modeschöpfers Karl Lagerfeld. Das Warten hat sich gelohnt: denn die Kollektion ist tatsächlich ein Opus magnum geworden. In einer massiven Holzkassette findet man die sorgfältig ausgeführten Reprints der opulenten, von Hermann Karl Frenzel verfassten Monografie über den bayrischen Plakatentwerfer Ludwig Hohlwein (1926), des Bildbandes „Schnackenberg. Kostüme, Plakate und Dekorationen“ (1920) sowie ergänzend zu den großformatigen Bildbänden die Faksimiles von zwei Broschüren aus der Reihe „Unsere Reklamekünstler – Selbstbekenntnisse und Selbstbildnisse“, die 1920 und 1921 vom „Verein der Plakatfreunde“ herausgegeben wurden.

Der wichtigste Teil der Kollektion ist allerdings der vom Leiter des Deutschen Plakat Museums, René Grohnert, verfasste Band „Reklame. Frühe Werbung auf Plakaten. Aus der Plakatsammlung Karl Lagerfeld“. Im Vorwort zu Grohnerts Text erzählt der „Modezar“, wie sein Interesse an Plakaten begann: „Ich habe meine Sammlung am Ende der 1960er-Jahre begonnen. Wenige interessierten sich in Frankreich für deutsche Werbung aus der Zeit. Ich hatte diese ‚Kunst‘ in alten Zeitschriften und Büchern schon vorher entdeckt, aber nie daran gedacht, dass nach zwei Weltkriegen noch etwas davon zu finden sein würde.

Eine junge Amerikanerin hatte damals eine kleine Galerie für Plakate in der Rue de Verneuil eröffnet. Ich wohnte fünf Minuten davon entfernt und sah durch Zufall im Vorbeigehen zum ersten Male echte deutsche Plakate aus dieser Zeit.“ Lagerfeld begann diese Exemplare zu kaufen und bildete damit den Grundstock für seine beeindruckende Sammlung, die ihn hin und wieder auch zu seinen außergewöhnlichen Modekollektionen inspirierte.

René Grohnert charakterisiert das diesbezügliche Engagement des prominenten Modedesigners folgendermaßen: „Karl Lagerfeld hat das Privileg aller privaten Sammler: Sie können ihren eigenen Intentionen folgen. Die so getroffene Auswahl hat nicht nur eine ästhetisch gelungene Sammlung hervorgebracht – was man natürlich erwartet –, sie enthält vor allem wichtige Arbeiten von prägenden Gestaltern der kreativen Etappe der deutschen Plakatentwicklung, vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg.“

René Grohnert findet in seinem Beitrag einen originellen und zur Persönlichkeit des Sammlers passenden, modeaffinen Ansatz in der Präsentation der Lagerfeldschen Plakatkollektion: Er stellt die einzelnen Beispiele in den Kapiteln „Frauen im Plakat“, „Männer im Plakat“, „Dinge im Plakat“ und „Plakate für Plakate“ der Leserschaft vor.

Alle Illustrationen sind in bestechender Qualität gedruckt, das Buch in Leinen gebunden, womit das Werk nicht nur ein optisches, sondern auch ein haptisches Vergnügen bietet.

Aufgrund der Bedeutung dieser Edition für Akzeptanz und Rezeption des historischen Plakates wird AUSTRIAN POSTERS noch weitere Beiträge über dieses außerordentliche Verlagsprojekt bringen: Fortsetzung folgt also…

Lagerfeld, Karl – René Grohnert (Hrsg.): Reklame. Frühe Werbung und Plakate, Göttingen 2012.

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