Rudolf Kalvach

Rudolf Kalvach, Postkarte der Wiener Werkstätte Nr. 109, 1907 (Ausschnitt)

Sein Plakat für die „Kunstschau 1908“ wurde zu einer Ikone der Wiener Moderne. So wie sein Studienkollege Oskar Kokoschka war auch er eingeladen worden, eine Affiche für diese Präsentation der damaligen Wiener Avantgarde beizusteuern. Und beide produzierten mit ihren expressionistischen Blättern eine schroffe Absage an den Jugendstil ihrer Lehrer. Doch während Kokoschka später zu einem der berühmtesten Künstler seiner Zeit wurde, verbrachte Kalvach seine letzten Lebensjahre krank und vergessen in einer Nervenklinik in Böhmen.

Links: Originalentwurf von Rudolf Kalvach zum Plakat der Kunstschau 1908 / Rechts: Gedruckte Version

Rudolf Kalvach wurde am 22. Dezember 1883 in Wien geboren. Schon früh zeigte sich seine zeichnerische Begabung: Von den Eltern in seinen künstlerischen Ambitionen unterstützt, konnte er die Wiener Kunstgewerbeschule besuchen, wo er bei Alfred Roller, Felician von Myrbach, Carl Otto Czeschka und Bertold Löffler studierte.

Bedingt durch den Beruf des Vaters – er war Lokomotivführer bei der „Südbahn-Gesellschaft“ – übersiedelte die Familie 1901 nach Triest. Rudolf Kalvach konnte jedoch sein Studium fortsetzen, wobei er immer wieder zwischen Wien und Triest hin- und herpendelte. Sein Lehrer Bertold Löffler erinnerte sich später an den begabten, aber leider bald nach Abschluss der Kunstgewerbeschule an Schizophrenie erkrankten Studenten: „Der Vater war ein gesunder Mann, Lokoführer, der ständig die Strecke Wien – Triest fuhr. Wir wussten, dass auf seiner Maschine Rudolf K[alvach] 2x die Woche als Gehilfe mitfuhr. Rußig von Kohle kam er gleich von der Südbahn weg zur Schule und arbeitete fleißig an seinen seltsamen Dingen. O.K. (Kokoschka) wurde von ihm angeregt und arbeitete beeinflusst durch die starke Farbe seine ersten Sachen.“[1]

In Triest fand Kalvach viele Anregungen und eine große Bandbreite an malerischen Motiven. Besonders der Hafen hatte es ihm angetan: Er machte ihn zum Thema einer Reihe von Holzschnitten, die zu seinen größten künstlerischen Erfolgen zählten, wie Tobias G. Natter erläutert: „Die Triester Hafenszenen wurden zu seiner wohl wichtigsten Werkgruppe, mit der er dem Hafen ein bleibendes künstlerisches Denkmal setzte. Kein anderes Motiv hat der Künstler so oft thematisiert, keines wurde zu Lebzeiten häufiger ausgestellt oder gar reproduziert.“[2] Eine Besonderheit dieser Arbeiten war, dass Kalvach sie in kräftigen Farben handkolorierte und so den Druckgrafiken den Charakter von Unikaten verlieh.

Holzschnitt aus der Serie „Triester Hafenleben“, 1907/1908

Trotz dieser Erfolge blieb Kalvach aber immer auch einer großen Bandbreite an gebrauchsgrafischen Aufgaben verbunden. Schon während seiner Studienzeit erhielt Kalvach lukrative Aufträge von der Wiener Werkstätte, für die er Bilderbögen und Postkarten mit teilweise bizarren Bildern gestaltete. Daneben schuf er Plakate, Buchillustrationen, Inserate, Etiketten und Spielkarten. In seiner Triestiner Zeit war dabei die Schifffahrtsline „Österreichischer Lloyd“ ein wichtiger Auftraggeber für ihn.

Neben der „freien“ Kunst und der Gebrauchsgrafik widmete sich Rudolf Kalvach auch besonders intensiv der Emailmalerei. So schuf er entsprechende Illustrationen für Schmuckentwürfe von Josef Hoffmann und Eduard Wimmer-Wisgrill. Rudolf Kalvach war auch Mitglied der „Neukunstgruppe“ und des „Österreichischen Werkbundes“.

Von 1912 bis 1915 lebte Kalvach aufgrund einer schweren Schizophrenie in der psychiatrischen Anstalt Steinhof in Wien, ab 1921 musste er wieder nach Steinhof und wurde 1926 in die Nervenklinik Kosmonosy/Kosmanos in der Tschechoslowakei gebracht. Von der Kunstwelt völlig vergessen, starb er dort am 14. März 1932.

[1] Autograf von Bertold Löffler, um 1945, Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Inv. 7608/Aut., zitiert nach: Natter, Tobias G. – Roberto Festi – Franz Smola (Hrsg.): Fantastisch! Rudolf Kalvach. Wien und Triest 1900, Milano 2012, S. 253.
[2] Natter, Tobias G.: Rudolf Kalvach. Ikarus zwischen Jugendstil und Expressionismus, in: Fantastisch! (siehe Fußnote 1), S. 9.

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