Signaturen auf Plakaten – doch wer steckt dahinter? In den einschlägigen Nachschlagewerken[1] findet man eine große Anzahl Künstlersignaturen, allerdings sind die von Reklamekünstlern in der Regel auf die „top ten“ beschränkt. Dies war sicherlich schon Motivation genug, um bereits vor über 100 Jahren Signaturen von Reklamekünstlern zu beschreiben und zu veröffentlichen (siehe Anmerkung 2–4). Das vorliegende Verzeichnis greift diese Idee auf und ergänzt sie durch weitere Variationen und zusätzliche Einträge. Ergänzt wurden – wo möglich – auch die Lebensdaten der Gestalter (in ganzen Jahren). Damit soll die Identifikation von Reklamekünstlern, um im Wortgebrauch der Zeit zu bleiben, erleichtert werden. Dies gilt ebenso für Plakate, wie für weitere Produkte der angewandten Kunst.
Es ist das Verdienst von Hans Sachs (1881–1974), dem Mitbegründer des Vereins der Plakatfreunde (1905–1921) und Herausgeber der Zeitschrift „Das Plakat“ (1910–1921), der solche Künstlerzeichen für das Plakat 1913 das erste Mal zusammenstellte: „Unter den zahllosen Anfragen, die im Laufe der Zeit an mich gelangt sind, sei es an den Privatsammler, sei es an den Herausgeber des ,Plakats‘, fand sich wohl am häufigsten die nach der ,Enthüllung‘ irgend eines mehr oder weniger komplizierten Signums, eines Monogrammes u. dergl. Ist doch der Wunsch des Sammlers durchaus begreiflich, vor allen Dingen den Namen des Autors eines Blattes kennen zu lernen, das er seiner Sammlung einverleibt.“[2] Ein Jahr später lieferte er noch einen Nachtrag.[3] Nach Ende des Ersten Weltkriegs übernahm Fritz Rudolf Uebe (1889–1927) den Staffelstab und ergänzte weitere Zeichen. Schließlich erschien die Zusammenstellung als Band 2 der Handbücher der Reklamekunst.4

Mit historischem Abstand dürfen wir für diese Überlieferungen dankbar sein, denn ohne sie würden wir manche Autorenschaft nicht mehr zuweisen können.
Dieser historische Band – und seine Ergänzungsblätter – waren nun Anlass, die darin vorkommenden Zeichen neu zusammenzuführen und durch weitere Zeichen von Plakaten aus der Sammlung des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang zu ergänzen, die auch über den Zeitraum bis 1920 hinausgehen. Diese Möglichkeit ergab sich durch meine jahrelange Tätigkeit an der Sammlung. Damit können die Signets, Zeichen und Monogramme der Reklamekünstler in einem erweiterten Zusammenhang bewertet und eingeordnet werden.
Auf der einen Seite bietet diese Zusammenstellung eine Ergänzung der vorhandenen Nachschlagemöglichkeiten, auf der anderen Seite auch einen stilistischen und ästhetischen Blick auf eine spezielle Disziplin auch künstlerischer Selbstdarstellung. Die Übersicht verweist dabei auf eine Entwicklung, die den Stellenwert des Gestalters neu definiert. Sind die frühen Zeichen auf Plakaten – am Ende des 19. Jahrhunderts – eher dokumentarischer Natur, zum Teil recht versteckt, zumindest aber unauffällig angebracht und lediglich als Nachweis eigener Urheberschaft gedacht, so finden sich nach 1900 immer mehr auch ausgeschriebene Namen, die sichtbarer Teil der Gestaltung selbst sind. Diese klaren Signaturen zeigen an, dass der Gestalter nunmehr selbst zur Marke geworden ist. Ähnliches geschieht mit den Druckereien, die sich nun teilweise Kunstanstalten nannten. Man verwies mit dieser Bezeichnung auf die Fähigkeit, großflächige Farbdrucke (zumeist Farblithografien) herstellen zu können, was durchaus zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine Besonderheit darstellte. Daher die prominente Namensnennung der Druckerei auf den Plakaten.

Dass das Monogramm im Alltagsleben ebenfalls eine wichtige Rolle spielte wird deutlich, wenn man sich das „Musterbuch“ aus dem Alexander Koch Verlag mit 600 Monogrammen und Zeichen ansieht.[5] Zahlreiche Gestalter liefern hier Monogrammvorlagen zum Gebrauch z.B. für Stickereien (wie man sie gern auf Stofftaschentüchern, Bettwäsche und Handtüchern applizierte), für Briefköpfe, Visitenkarten usw. Wer es besonders ernst nahm und es sich leisten konnte, der beauftragte damit einen Künstler und schuf so ein wirklich individuelles Zeichen, wie wir es u.a. bei den Exlibris sehen können. Es gab dafür eine verbreitete Tradition in ganz Europa.[6] Heute sind die Zeichen längst Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen von Ausstellungen und Publikationen.[7]
Die Zusammenstellung von 806 Signaturen von 531 Reklamekünstlern – darunter waren bezeichnenderweise lediglich 20 Gestalterinnen auszumachen – soll vorhandene Nachschlagewerke auf einem sehr speziellen Gebiet, dem der Gebrauchsgrafik, ergänzen. Darüber hinaus scheint auch die Mannigfaltigkeit so vieler Kombinationsvarianten und Ausführungen von Buchstaben und Zeichen einen eigenen, ästhetischen Wert zu vermitteln und vielleicht auch Anregungen zu geben.

Mein Dank geht posthum zunächst an Hans Sachs und Fritz Rudolf Uebe, die sich vor 100 Jahren als erste intensiv um die „Enthüllung“ der Zeichen im Bereich der Gebrauchsgrafik verdient gemacht haben. Dem Deutschen Plakat Museum im Museum Folkwang danke ich für die Nutzung der Bilddaten. Ich hoffe, hier ein nützlichen „Nischenprodukt“ zu liefern.
KOSTENFREI ZUM BUCH: RG_SIGNATUREN_2026-07-17
[1] Siehe z. B.: Franz Goldstein: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850, Berlin 1964 (Band 1; weitere Auflagen und unter: https://www.jstor.org/stable/j.ctvbkjwvg); Dietrich Schneider-Henn: Exlibris Monogramme, München 1983; Paul Pfisterer: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, Berlin 1995 (Band 2). Petra Hoftichova: Malermonogramme von 1700 bis 1870. Katalog der Künstler-Schriftzeichen zur schnellen Zuordnung von Kunstwerken, Regenstauf 2010; Joachim Heusinger von Waldegg: Signaturen der Moderne, Karlsruhe 2015; Im Internet u. a.: www.kunst-und-kultur.de (Sammlerstempel / Künstlersignaturen / Monogramme) www.artistssignatures.com (kostenpflichtig).
[2] Hans Sachs: Künstlersigna In: Das Plakat, Jg. 4/ 1913, Heft 5, S. 198.
[3] Hans Sachs: Künstlersigna In: Das Plakat, Jg. 5/ 1914, Heft 3, Nachtrag als Beilage nach S. 100.
[4] Verein der Plakatfreunde (Hg.): Künstlerzeichen. Zusammenstellung von 456 Zeichen deutscher und ausländischer Reklamekünstler von Dr. F. Rudolf Uebe, Berlin 1919 (Bd. II der Handbücher für Reklamekunst; inklusive des I. Nachtrags 1919 und des II. Nachtrags 1920 mit 80 weiteren Zeichen). Einbandgestaltung: Hanns Thaddäus Hoyer (1886-1960).
[5] Alexander Koch (Hg.): 600 Monogramme und Zeichen. Vorbilder für Künstler, Kunstgewerbler und Kunstfreunde für Industrie und Handel, Darmstadt 1920.
[6] Einen eindrucksvollen Überblick liefert u. a.: K. E. Graf zu Leiningen-Westerburg: Deutsche und Oesterreichische Bibliothekszeichen Exlibris. Ein Handbuch für Sammler, Bücher- und Kunstfreunde, Stuttgart 1901 (Hier: Fotomechanischer Neudruck der Originalausgabe durch das Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1980).
[7] Siehe dazu z. B.: Museum Schloss Moyland (Hg.): Exlibris – die Welt im Kleinformat: Klein- und Gebrauchsgrafik aus der Blütezeit des Exlibris, Bedburg-Hau 2009 (Katalog, Konzeption u. Red.: Alexander Grönert). Im Internet u. a.: https://exlibrisportal.moenchengladbach.de/
