„Plakatieren verboten“: Ein Film von Oliver Werani

Szenenbild aus dem Film „Plakatieren verboten“

Leider bin ich viel zu selten in Wien, denn Wien ist in Sachen Plakat eine unglaublich interessante Stadt und, wie mir jetzt erst bewusst wurde, auch eine besonders wilde dazu.

Am 23. Juni 2011 hatte der Film „Plakatieren verboten“ von Oliver Werani Premiere. Es geht um ein besonderes – fast nur noch in Wien anzutreffendes – Phänomen, das wilde Plakatieren. Ganz so wild aber ist es dann doch nicht, denn es gibt Strukturen und die Auseinandersetzung darum, wer, wo und was wild plakatieren darf.

Historisch gesehen war das wilde Kleben die erste Form, wie Anschlagzettel und Plakate in die Städte kamen. Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt man jedoch überall in Europa kommerzielle Strukturen der Vermarktung von Werbeflächen aufzubauen. Der Nebeneffekt war immer auch eine erhöhte Kontrolle der Inhalte, die in die Öffentlichkeit gelangen sollten. Heute sind wir nahezu in ganz Europa an einem Punkt, wo das wilde Plakatieren keinen Platz mehr findet. In ganz Europa? – Nicht ganz: in Wien ist seit vielen Jahrzehnten eine Szene etabliert, die aus Überzeugung wild plakatiert. Die Überzeugung resultiert aus der Anschauung, dass der öffentliche Raum auch der Bürgerin und dem Bürger selbst zur Verfügung stehen muss, sie ihre speziellen Anliegen dort anbringen können. Vom Suchaufruf nach der entlaufenen Katze bis hin zu Veranstaltungen vor Ort reicht der Bogen, denn nicht jeder kann die Gebühren einer offiziellen Plakatierung tragen. Damit sind Auseinandersetzungen mit den nicht wilden Plakatierern unausweichlich. Davon erzählt der Film.

Der Film nähert sich auf sehr behutsame Weise, quasi „von unten“ diesem Problem. Von unten, weil er die wilden Plakatierer bei ihrem „Guerillaeinsatz“ zeigt, um sich dann den gesellschaftlichen Bedingungen dieses Wirkens zu widmen. Von unten auch, weil die Kameraführung (Oliver Werani und Carmen Malin) die Protagonisten des Films zumeist aus der Untersicht portraitiert. Viele Szenen sind bei nassem und grauem Wetter oder bei Dunkelheit aufgenommen, oftmals sind es nur die Plakate, die Farbe ins Bild bringen. Kamera, Regie und Schnitt verleihen dem Film eine ästhetische Qualität, auf deren Grundlage sowohl eine professionelle Distanz, als auch eine sympathisierende Hinwendung zur „Institution“ des wilden Plakatierens in der filmischen Begleitung wahrnehmbar ist.

Filmpremiere im „Kulturnetz Hernals“: Oliver Werani, Wolfgang Bergelt, Rudolf Hübl und René Grohnert

Filmpremiere im „Kulturnetz Hernals“: Oliver Werani, Wolfgang Bergelt, Rudolf Hübl und René Grohnert (Foto: B. Denscher)

Dem Film sei eine größere Aufmerksamkeit gewünscht, den wilden Plakatierern seien endlich eine rechtssichere Situation und annehmbare Regeln gewünscht, auf deren Grundlage sie arbeiten können, um die Stadt Wien als lebendige Stadt nicht nur der großen Kulturevents, sondern auch als die der Off-Szene begreifbar zu machen. Der Film wird dazu ohne Zweifel einen wichtigen Beitrag leisten können.

Literaturhinweis:
Einen Überblick zum Thema liefern René Schober und Peter Klinger in ihrem Beitrag: Plakatieren Verboten! Post No Bills! In: 100 beste Plakate e.V. (Hrsg.): 100 beste Plakate 09 Deutschland Österreich Schweiz, Mainz – Berlin 2010, S. 157-177.