Stadtpalimpseste

Monpazier, Frankreich 2011 (Foto: Konrad Zobel)

Das Wort „Palimpsest“ stammt aus dem Griechischen und bedeutete ursprünglich „wieder abgeschabt“. Verwendet wird der Begriff vor allem mit Bezug auf das bis ins Mittelalter als Schreibmaterial benutzte Pergament. Denn dieses war so teuer, dass, wenn das darauf Geschriebene vermeintlich nicht mehr benötigt wurde, es weggekratzt oder ausgewaschen wurde und man so die Pergamentbögen erneut verwenden konnte. Allerdings haben sich trotz des Abschabens oftmals auch die früheren Zeichen erhalten, und es gibt einige Texte aus der Antike, wie etwa von Archimedes oder von Cicero, die nur in dieser Form überliefert sind.

Wien, 2016 (Foto: Eva Offenthaler)

Wien, 2016 (Foto: Eva Offenthaler)

Es gibt jedoch auch eine weitere, aktuelle Verwendung des Begriffes Palimpsest: „Im übertragenen Sinn werden vereinzelt auch Oberflächenstrukturen als Palimpsest bezeichnet, die durch jüngere Einflüsse überprägt und fast unsichtbar wurden.“ (Wikipedia).

In dieser erweiterten Form soll der Terminus auch hier verstanden werden: Es geht um Schriften und Zeichen, meist Reklamen oder Geschäftsnamen, die übertüncht und allmählich wieder sichtbar wurden, um historische Parolen oder Plakatreste, die sich hinter Abdeckungen oder Werbetafeln erhalten haben und durch Baumaßnahmen wieder an das Tageslicht kamen, um Aufschriften, die – bedeutungslos geworden – von ihren Urhebern vergessen wurden und allmählich verblassten.

Wien, 2011 (Foto: Barbara Denscher)

Wien, 2011 (Foto: Barbara Denscher)

Alle diese Palimpseste sagen viel über die Alltagsgeschichte einer Stadt aus. Das Themenfeld blieb jedoch bis dato von der Forschung nahezu unbeachtet und wurde, anders als die vergleichsweise intensiv bearbeiteten Graffiti, auch kaum dokumentiert. Viele der Palimpseste haben auch nur für kurze Zeit Bestand und werden bald wieder übermalt, überbaut oder deren Grundträger überhaupt abgerissen. Allerdings gibt es auch Beispiele sensibler Denkmalpfleger, die derartige Dokumente einer vergangenen Stadtkultur schützten und restaurierten und so dauerhaft erhalten haben. Auch diese Beispiele, sollen Gegenstand der Darstellung sein.

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