SPRING #17 – GESPENSTER

Illustration: Doris Freigofas (alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Mairisch Verlags)

Nur zur Erinnerung, weil an dieser Stelle ja schon öfter davon die Rede war: SPRING ist eine Künstlerinnen-Gruppe mit einem zweideutigen Namen, der sowohl den englischen Frühling bedeuten kann als auch die Aufforderung zu springen. Ein Schwergewicht der Künstlerinnen-Arbeit ist es, alljährlich – seit der Gründung 2004 – ein Magazin herauszugeben. Diese Magazine tragen immer einen Titel, zum Beispiel „Nachstellungen“, „Wunder“ und „Arbeit“. Voriges Jahr drehte sich alles um „Sex“, und die aktuelle Nummer 17 hat den Titel „Gespenster“. Und man macht sich keinen Begriff davon, was einem alles Angst und Schrecken einjagen kann. Die sechzehn Künstlerinnen reizen das Thema sowohl verbal als auch zeichnerisch aus, bleiben entweder im realistischen Horror oder verstecken sich hinter grauenvollen Andeutungen.

Illustration: Moki

Illustration: Moki

Karen Köhler gibt ihrem einleitenden Text den Titel „I ainʼt ʼfraid of no Ghost“ und untermauert ihre zweifache Verneinung mit einer einseitigen Aufzählung von all den menschlichen und unmenschlichen Gespenstern, vor denen einem schon Angst und Bange werden könnte. Nach diesem verbalen Einstieg beginnt Grafik, textlich unterstützt, einschlägig zu wirken: in verwischten Grautönen, aus denen langsam Konkretes herauswächst oder aber in einer Bildgeschichte mit dem Titel „Schließt einmal die Türen“, bei der man sehr schnell erkennt, dass das Gespenst das Corona-Virus ist. Ein surreales Kuchenstück, Momentaufnahmen einer grafischen Bewegung, eine Geschichte über Schlaflosigkeit sind Gegenstände gespenstischer Beunruhigung, bevor Katrin Stangl, die auch das Cover gestaltete, behauptet, dass ihre Geister – zumeist grauenerregende Masken – nichts mit unseren zu tun hätten.

Illustration: Stephanie Wunderlich

Illustration: Stephanie Wunderlich

Um Buchstaben, displaced animals, eine dynamische Jagd und fünf große Geister, die letztlich gebändigt neben der Heldin im Bett liegen, geht es in den nächsten Comic-Geschichten. Stille wird meisterlich von Almuth Ertl umgesetzt, und endlich erfindet Moki mit Spooky, dem lächelnden Affen, ein freundliches Gespenst. Gleich darauf aber regiert mit dem Vatergespenst der Nana Pagalies purer Horror. Katharina Gschwendtner wählt einen Zahn als Deus ex machina ihrer Geschichte, Mari Kanstad Johnsen betreibt zeichnerisch umwerfend Ghostwatch, Sarah Mazetti lässt ihre Heldin June dem Tod begegnen, Moki schlägt noch einmal zu und konfrontiert einen mit der Teufelshöhle, bevor Larissa Bertonasco mit ihrem Hirngespenst den Schlusspunkt setzt. Das ist aber noch nicht das Ende des Magazins, da folgen dann – adäquat grafisch – noch Anzeigen und die Informationen über die Zeichnerinnen. Das war jetzt in trockenen Worten ein Schnelldurchlauf durch ein fantastisches Meisterwerk zeitgenössischer Comic-Kunst, das übrigens im Dunkeln unheimlich leuchtet.

Cover: Katrin Stangl

Spring #17  – Gespenster. Illustrationen, Comics und Texte von 16 Zeichnerinnen. Mit Glow-in-the-Dark-Cover. Mit Comics, Illustrationen & Texten von Larissa Bertonasco, Romy Blüml, Almuth Ertl, Doris Freigofas, Katharina Gschwendtner, Inga Kählke, moki, Nina Pagalies, Katrin Stangl, Kati Szilagyi, Birgit Wehye, marialuisa und Stephanie Wunderlich, Sarah Mazzetti, Mari Kanstad Johnsen. Mairisch Verlag, Hamburg 2020.

Beitrag teilen: