Kawaii! Japan’s Culture of Cute

Kawaii - Ausschnitt aus dem Buchcover

Mit „süß“, „niedlich“ oder „reizend“ kann man den japanischen Begriff „kawaii“ ins Deutsche übersetzen, auf Englisch kommt man wohl mit „cute“ der Bedeutung des Wortes am nächsten. Die Vokabel umschreibt eine Mode, mehr noch eine Lebenshaltung: „Kawaii“ kann in Japan vieles sein, das Spektrum reicht von Essen über Kleidung und Comics bis zur Dekoration von Flugzeugen. Ursprünglich als Spezifikum halbwüchsiger japanischer Mädchen entstanden, hat sich das Phänomen nicht nur auf die gesamte japanische Gesellschaft ausgedehnt, sondern ist mittlerweile sehr stark in China und Korea, aber auch in Europa und den USA zu beobachten. „Kawaii“ ist damit zu einem wesentlichen Antrieb und Bestandteil der Infantilisierungstendenzen der internationalen Konsum- und Unterhaltungsindustrie geworden.

Manami Okazaki, Journalistin und Verfasserin einiger Werke über Japan, hat nun im Münchner Prestel Verlag ein Buch über die verschiedenen Ausformungen des Kindlich-Naiven in Japan herausgebracht. Zahlreiche Farb-Fotografien von Geoff Johnson beleuchten das Phänomen in differenzierter Weise. Der englischsprachige Band ist damit weit mehr als ein „coffee table book“, denn er stellt eine hervorragende Dokumentation zu einer Facette der Pop-Kultur dar. Die Autorin bietet nicht nur Analysen, sondern bringt auch Interviews mit vielen Protagonistinnen und Protagonisten der Szene. Anhand von Mode, Magazinen, Museen, Manga und Anime, Grafikdesign und Innendekor wird dabei das Wesentliche dieser „Culture of Cute“ herausgearbeitet: „This book looks at kawaii in its multiple guises. Kawaii does, of course, have a lot to do with aesthetics, but it also reflects changes in social structures and the role of women, the rise and fall of the economy and a sense of national identity.“

„Kawaii! Japan’s Culture of Cute“ geht mit seinen sirupartig-süßlichen, vor „Niedlichkeit“ gleichsam triefenden Illustrationen hart an die Schmerzgrenze so manch sensibler Ästheten. Doch gerade aufgrund der erstaunlichen Radikalität dieser Szene ist die Arbeit von Manami Okazaki und Geoff Johnson ein nicht nur ansehnliches, sondern auch lesenswertes Buch geworden.

Okazaki, Manami – Geoff Johnson: Kawaii! Japan’s Culture of Cute, Munich 2013.

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