Ein Tiroler Moderner: Arthur Zelger

„Arthur Zelger steht für die typische Sonderstellung des westösterreichischen Designs: Geografisch wie grafisch zwischen Wiener Moderne, Swiss Style, Mailänder Design und deutscher Industriegrafik angesiedelt, entwickelte Zelger eine eigene Formensprache, die in seinem späteren Werk zu einem Höhepunkt gelangte.“ Derart verortet Anita Kern die Bedeutung Arthur Zelgers in ihrer neuesten Publikation über den Tiroler Designer, die nun als 21. Band der Reihe „/design/er/leben/“ erschienen ist. Kern, die in den letzten Jahren einen Schwerpunkt ihrer designhistorischen Arbeit in Tirol gefunden hat, zeichnet in dem 48 Seiten umfassenden Büchlein Leben und Werk von Arthur Zelger in anschaulicher Weise nach.

Arthur Zelger wurde am 31. März 1914 in Innsbruck geboren. Nach der Matura studierte er an der Kunstgewerbeschule in Wien und belegte nebenbei Kurse der „Reklamewissenschaftlichen Vereinigung“. Kurze Zeit konnte er ein Volontariat im Atelier von Joseph Binder absolvieren, bevor er von 1938 bis 1945 bei der Deutschen Wehrmacht Kriegsdienst leisten musste. 1946 eröffnete Arthur Zelger in Innsbruck ein eigenes Grafikatelier und startete damit eine Erfolgsgeschichte. Der sich immer besser entwickelnde ökonomische Wiederaufbau, aber mehr noch der prosperierende Tourismus in Nord- und Südtirol eröffneten ein breites Aufgabenfeld für den engagierten Grafiker. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte gelangen ihm mit seinen Entwürfen in diesem Bereich Ikonen der Tiroler Tourismuswerbung – und er schuf damit auch die Grundlagen jener modernen Öffentlichkeitsarbeit, die das Bundesland bis heute auszeichnet. Treffend charakterisiert Anita Kern die Qualität dieser Arbeiten: „Kern der Zelger’schen visuellen Sprache sind kraftvolle Farben und geometrisch-konstruktive Formen. Monochrome Flächen werden in Zelger-Plakaten zu mächtigen Berglandschaften und subtilen Himmelsstimmungen.“

Zelger hielt sein Niveau auch, als der Zeitstil der 1950er- und 1960er-Jahre-Werbung in eine humorig sein wollende Seichtheit abzusinken drohte. Es machte ihn unverwechselbar, dass er nach seinen eigenen Qualitätskriterien agierte, über die er einmal meinte: „Während meiner ganzen Tätigkeit war es fast ein Sport, etwas so zu machen, wie es mein Auftraggeber bestimmt nicht erwartet hat.“ Zu vermerken ist dabei, dass es zum Erfolg von GrafikdesignerInnen gehört, einen entsprechend aufgeschlossenen Kundenkreis zu finden (oder zu erziehen) – eine Fähigkeit, über die Arthur Zelger auf alle Fälle verfügte.

Links: Buchcover, 2020 / Rechts: Arthur Zelger, Plakat, 1949

Doch nicht nur die Anerkennung durch Kundinnen und Kunden war ein Beweis für die Qualität seiner Arbeit, sondern auch die Fachwelt sprach Zelger in Form von zahlreichen Preisen und Auszeichnungen ihre Anerkennung aus. Dies gipfelte 2001 in der Überreichung des „Kommunikationskristalls“ der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Tiroler Wirtschaftswerbung für sein Lebenswerk. Am 23. April 2004 verstarb Arthur Zelger in Rum bei Innsbruck. Im Jahr 2014 wurde in Innsbruck, nach zweijähriger Aufarbeitung des Nachlasses von Arthur Zelger durch Anita Kern, die Ausstellung „Ikonen und Eintagsfliegen. Arthur Zelger und das Grafikdesign in Tirol“  gezeigt. Die nun vorliegende Publikation über das Lebenswerk des Tiroler Grafikers ist ein weiterer bereichernder Beitrag zur österreichischen Designgeschichte.

Kern, Anita: Arthur Zelger. Eine Tiroler Moderne, Wien 2020 (=/design/er/leben/, Band 21).

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