Bertha Czegka

Bertha Czegka, Karikatur von Berta Zuckerkandl, 1902

„Man nehme irgendeinen Menschen her, schaue ihn gut an, knete ihn im Geist tüchtig durch, wende ihn gut hin und her, lasse ihn dann stehen und kalt werden. Hierauf menge man einige Teile Bosheit dazu, stürze sich auf ein Blatt Papier, und in wenigen Strichen wird eine wohlgelungene oder mißlungene Karikatur entstanden sein.“[1] So beschrieb Bertha Czegka ihre Sicht auf die Entstehung einer satirischen Zeichnung. Karikaturen waren es auch, die der Künstlerin einen ebenso frühen wie nachhaltigen Erfolg einbrachten.

Bertha (oft auch Berta) Czegka wurde am 30. Juli 1880 in Feldkirch in Vorarlberg geboren. Sie erhielt zunächst eine einjährige Ausbildung in der Zeichenschule Patek im Wiener Frauen-Erwerb-Verein, studierte dann von 1897 bis 1902 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Karger und Andreas Groll und setzte in der Folge ihre Ausbildung in München und London fort.

Karikaturen von Bertha Czegka: links der Dichter Hugo von Hofmannsthal, rechts der Kunstkritiker Franz von Servaes, 1902

Der Almanach für den Ball der Kunstgewerbeschule „Schwarz auf Weiß. Wiener Autoren den Wiener Kunstgewerbeschülern zu ihrem Feste am 6. Februar 1902“ machte Bertha Czegka buchstäblich über Nacht in der Wiener Kunstszene bekannt. Denn unter anderem enthält das Werk die bald weithin bekannten Karikaturen von Peter Altenberg, Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal, Felix Salten und Arthur Schnitzler. Eine geschickte Strategie der jungen Künstlerin war es wohl, auch die wichtigsten Wiener Kunstkritiker, wie etwa Franz von Servaes, Ludwig Hevesi oder Karl M. Kuzmany, mit liebevollem Humor für die Anthologie zu porträtieren.

Das Jahr 1902 war auch auf anderen Gebieten sehr erfolgreich für die Künstlerin: So etwa beteiligte sie sich an Ausstellungen im Wiener Dorotheum, wofür sie einmal auch ein Plakat in einem zeichnerisch sehr feinen Stil gestaltete. Von Czegka stammt auch eine ebenfalls sehr elegante Affiche für die Ausstellung „Austrian Fine Art and Decorative Furnishing“, die von Mai bis Juli 1902 im Londoner „Prince’s Skating Club“ in Knightsbridge stattfand. Die beiden Arbeiten zeigen, wie viel die Künstlerin im Bereich der Plakatkunst leisten hätte können, wenn es einigermaßen faire Auftragsverhältnisse für Frauen gegeben hätte.

Beide Plakate: Bertha Czegka, 1902

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen fand Bertha Czegka ein reiches Betätigungsfeld im Bereich der Zeitungsillustration: Ab 1904 arbeitete sie für „Österreichs Illustrierte Zeitung“, die „Zeit“, das „Illustrierte Sportblatt“, „Die Muskete“ und den „Lieben Augustin“. Außerdem lieferte sie Beiträge für die in München erscheinenden „Meggendorfer Blätter“. Im Ersten Weltkrieg schuf Czegka  Ansichtskartenserien mit Karikaturen der Vertreter der gegnerischen Mächte Österreich-Ungarns.

Bertha Czegka, links: Ansichtskarte mit Arlbergplakat-Motiv, 1934, rechts: Titelblatt von „Schwarz auf Weiß”, 1902

Bertha Czegka war Mitglied der „Vereinigung bildender Künstlerinnen“ und nahm an deren Ausstellungstätigkeit sehr aktiv teil. In der Zwischenkriegszeit beschäftigte sie sich neben der freien Malerei mit Illustrationen von Schul- und Kinderbüchern. Ein Highlight im späteren Schaffen der begeisterten Skiläuferin[2] war ein Arlberg-Plakat aus den 1930er Jahren, das den legendären Skipionier Hannes Schneider als Lehrer einer Gruppe übender „Skihasen“ zeigt.

Bertha Czegka lebte bis 1944 in Wien und ging dann nach Tirol, wo sie am 4. November 1954 in Hall verstarb.

Literatur
Karolyi, Claudia – Alexandra Smetana: Aufbruch und Idylle. Exlibris österreichischer Künstlerinnen 1900–1945, Wien 2004.

[1] Österreichs Illustrierte Zeitung, 30.12.1906, S. 315.
[2] Czegka wurde bereits 1911 Mitglied des Oesterreichischen Ski-Vereins, siehe: Illustriertes Österreichisches Sportblatt, 4.2.1911, S. 9.