Bertold Löffler (1874–1960)

Bertold Löffler – Michael Powolny: Künstlerische Ausgestaltung der Bar des Kabaretts Fledermaus (Architektur: Josef Hoffmann), 1907 (Redesign für die Ausstellung „Into the Night“ im Barbican Centre, London, 2019, und das Belvedere in Wien, 2020, Foto: B. Denscher)

Bertold Löffler gehört zu einer Gruppe von Kreativen, die in Wien um 1900 und in den Jahren danach Hervorragendes leisteten, aber deren Arbeit im Laufe der Zwischenkriegszeit in erstaunlicher Weise qualitativ verflachte. Diese Vertreter einer vormals weltoffenen Avantgarde verkamen auch in ihren politischen Ansichten immer mehr – bis zu einem Bekenntnis zum Nationalsozialismus. 

Geboren wurde Bertold (Berthold) Löffler am 28. September 1874 in Nieder-Rosenthal/Růžodol, heute ein Stadtteil von Liberec. Nach dem Besuch der Zeichenschule des „Nordböhmischen Gewerbemuseums“ in Gleichenberg/Liberec ging Löffler nach Wien, wo er die Kunstgewerbeschule besuchte. Seine prägenden Lehrer waren vor allem Franz Matsch und Kolo Moser. Nach seinem Studienabschluss unterrichtete Löffler zunächst in der „k. k. Kunststickereischule“ in Wien, ab 1907 war er als Lehrer und ab 1909 als Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule im Bereich der Fachklasse für Malerei und der Werkstatt für Druckverfahren tätig.

Titelblätter für den Wiener Verlag, 1903

Vor allem in seinen jungen Jahren gelang es Löffler, eine erfolgreiche Generation von innovativen Grafikerinnen und Grafikern ausbilden. Dabei engagierte er sich auch für die entsprechende Publizität seiner Studentinnen und Studenten. So etwa gestaltete er in der Kunstschau 1908 den Plakatraum, für den er verantwortlich war, vor allem mit Arbeiten aus seiner Klasse. Das Hauptplakat für die Ausstellung entwarf er selbst und sorgte dabei mit einer radikalen Vereinfachung für Aufsehen, aber auch für Kritik von konservativer Seite. Ein ebenfalls beeindruckender Nachweis für Löfflers erfolgreiche Lehrtätigkeit war der letzte, 1910 erschienene Band des Vorlagenwerks „Die Fläche“, der unter dem Titel „25 Plakatentwürfe aus der Schule von Bertold Löffler“ erschien. Zu seinen Schülerinnen und Schülern gehörten unter anderem Joseph Binder, Josef von Divéky, Moriz Jung, Berta Kiesewetter, Oskar Kokoschka und Vally Petter.

Plakat, 1908

1906 gründete Bertold Löffler gemeinsam mit Michael Powolny die „Wiener Keramik“, die eine Verkaufsgemeinschaft mit der Wiener Werkstätte einging. In diesem Zusammenhang hatte Löffler einen hohen Anteil an der Ausgestaltung des Kabaretts „Fledermaus“, für das er auch Plakate gestaltete. Daneben entwickelte er eine rege künstlerische Produktion für die Wiener Werkstätte, für die er Postkarten, Schmuck, Keramik, Kalender und Kleingrafik entwarf, und er arbeitete an der Ausgestaltung des Hauptwerks der Wiener Werkstätte, des „Palais Stoclets“ in Brüssel, mit.

Bertold Löfflers Œuvre umfasste die verschiedensten Bereiche der Gebrauchsgrafik: Neben Plakaten entwarf er unter anderem Drucksorten, Reklamemarken, Postwertzeichen und Banknoten. Außerdem war er im Bereich von Buch- und Zeitschriftenillustration tätig, so etwa für die Periodika „Ver sacrum“, „Der liebe Augustin“, „Donauland“ und „Lucifer“.

Im Ersten Weltkrieg arbeitete Löffler im Dienst des Kriegspressequartiers, und auch er konnte sich, wie so manche seiner Kollegen, in der Folge von dem ästhetischen Rückschlag, den die Anforderungen einer oft pathetischen Kriegspropaganda mit sich brachten, nicht mehr lösen. Neben seiner Lehrtätigkeit schuf er in der Zwischenkriegszeit Werke im Bereich der sakralen Kunst, wie etwa Freskomalereien. 1934 erfolgte eine Disziplinaruntersuchung gegen Löffler wegen illegaler NS-Betätigung, im Jahr 1935 wurde er zwangspensioniert.[1] Im Dezember 1945 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Künstlerhaus, dem er seit 1921 angehört hatte, ausgeschlossen. Anfang 1950 wurde er wieder als Mitglied aufgenommen[2] und zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1954 mit dem „Goldenen Lorbeer“ des Künstlerhauses geehrt. Am 23. März 1960 verstarb Bertold Löffler in Wien. 

[1] Pichler, Gerd: Bertold Löffler. Leben und Werk, Diss., Wien 2017, S. 107ff.
[2] Wladimir Aichelburg, 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861–2011, in: http://www.wladimir-aichelburg.at/ (Stand: 22.5.2021)

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